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Mentoring - Praktische Durchführung Drucken E-Mail

Was verstehen wir unter Mentoring?

Mentoring ist ein beziehungsorientierter Ansatz, bei dem eine erfahrenere bzw. ältere Person (Mentor) eine jüngere (Mentee) über einen bestimmten Zeitraum auf ihrem Lebensweg begleitet und diese durch die ihren Erfahrungsschatz, ihre Weisheit und ihr Wissen in ihrer Persönlichkeits­entwicklung unterstützt. Auf Glaubensebene wird häufig auch von geistlicher Elternschaft gesprochen (Väter und Mütter in Christus).

Viele Personen lassen sich durch den Ausdruck Mentoring beeindrucken und befürchten, dem Anspruch an die Rolle eines Mentors nicht zu genügen. Dem sei entgegengesetzt, dass sich das Herzstück geistlicher Elternschaft bzw. Mentorenschaft folgendermaßen aus­drücken lässt:

„Wir sind in eurer Mitte zart gewesen, wie eine stillende Mutter ihre Kinder pflegt. So, in Liebe zu euch hingezogen, waren wir willig, euch nicht allein das Evangelium Gottes, sondern auch unser eigenes Leben mitzuteilen, weil ihr uns lieb geworden wart“ (1. Thes 2,7-8).

Warum wollen wir „geistliche Elternschaft“ leben?

Das Vorleben geistlicher Elternschaft können wir sowohl biblisch als auch gesellschaftlich begründen. Zum einen finden wir in der Bibel zahlreiche Zweierschaften, in denen geistliche Eltern-Kindschaft gelebt wird: Mose-Josua, David-Salomo, Elia-Elisa, Jesus-Petrus/
Johannes/Jakobus, Barnabas-Paulus, Paulus-Timotheus, Paulus-Titus, etc.

Dabei finden wir auch zahlreiche Aufforderungen, diesem geistlichen Lebensprinzip nachzueifern, z. B.: „Seid meine Nachahmer, wie auch ich Christi Nachahmer bin“ (1. Kor 11,1) oder „Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das befiehl treuen Menschen an, die tüchtig sind, auch andere zu lehren“ (2. Tim 2,2).

Zum anderen erleben junge Erwachsene immer häufiger den Zerbruch ihrer eigenen Familien und werden mit komplexen Lebensherausforderungen konfrontiert, deren Bewältigung sie nicht selten überfordert. Die Dreieinigkeit ihrer Lebensumwelt lautet „Flexibilität, Mobilität, Globalität“ (DER SPIEGEL, „Wir Krisenkinder“, 2009, S. 23). Vor diesem Hintergrund suchen sie vermehrt nach Sicherheit (Familie als höchster Wert), Liebe und Freundschaft. Genau hier kann ihnen geistliche Elternschaft zutiefst helfen.

Wie soll das Mentoring umgesetzt werden?

Das Mentoring-Programm sol über insgesamt fünf Schritte umgesetzt werden:

  1. Abende der Begegnung mit Impulsreferaten

  2. Einzelgespräche mit Mentoren und Mentees

  3. Zusammenführung von Zweierschaften (Mentor – Mentee)

  4. Mentor und Mentee auf dem Weg – mit begleitender Beratung

  5. Abschlussgespräche und Pespektiven

Abende der Begegnung

An den Abenden nehmen sowohl die Mentoren als auch die Mentees teil. Die Abende sollen insgesamt folgende Ziele haben:

  • Erleben von Gemeinschaft durch gemeinsame Abendessen
  • Gemeinsames Kennenlernen
  • Einführung in das Mentoring durch Impulsreferate und Gesprächsrunden
  • Anbahnung einer Entscheidung: Möchte ich Mentor bzw. Mentee werden?

Einzelgespräche mit Mentoren und Mentees

Im Anschluss an die Abende der Begegnung werden mit allen, die gerne Mentoren bzw. Mentees werden wollen, Einzelgespräche geführt. Dabei geht es u. a. um folgende Fragen:

  • Welche Person könnte ich mir als Mentor/Mentee vorstellen?
  • Welche Erwartungen habe ich an meinen Mentor/Mentee?
  • Was sind meine Ängste bzw. Vorbehalte?
  • Was kann ich als Mentor/Mentee leisten? Wo sind meine Grenzen?

Zusammenführung von Zweierschaften

Auf der Grundlage der Einzelgespräche werden in dieser Phase mögliche Mentor-Mentee-Konstellationen aufgebaut. Es wird ein Erstkontakt zwischen beiden mit dem Ziel hergestellt festzustellen, ob sich beide Seiten eine zeitlich befristete Zweierschaft vorstellen können. In diesem Gespräch zwischen Mentor und Mentee sollen nochmals die Erwartungen, Ziele, Ängste und Möglichkeiten beider Partner ausgelotet werden.

Die begleitende Beratung während der Zweierschaft

Während der Zweierschaft sollen ca. vierteljährig Gespräche für Mentoren und Mentees (jeweils getrennt) angeboten werden, in denen mögliche Probleme besprochen werden können. Dabei soll es zum einen zu einem Erfahrungsaustausch zwischen den Mentoren bzw. Mentees kommen, zum anderen soll von pastoraler Seite konkrete Hilfe im Bedarfsfall angeboten werden. Ziel ist bei dieser Beratung die Reflexion und Verbesserung des eigenen Handelns in der erlebten Zweierschaft. Fokus ist dabei auch die Rollen- und Beziehungsdynamik zwischen Mentor und Mentee.

Abschlussgespräche und Perspektiven

Die Zweierschaft ist zunächst auf ein Jahr befristet. Damit ist zum einen ein überschaubarer Zeitrahmen gewährleistet, zum anderen bietet die Befristung die Möglichkeit einer offiziellen Beendung der Zweierschaft bei wegfallender Beziehungsdynamik (z. B. bei Klärung zentraler Lebensfragen innerhalb des Jahres).

Darüber hinaus kann aber auch bedacht werden, wie eine mögliche Fortsetzung der Zweierschaft ausgestaltet werden könnte: Welche Perspektiven können wir für unsere Zweierschaft für das kommende Jahr sehen?

 

Ansprechpartner

Pastor Michael Bendorf 

Dr. Michael Bendorf
Pastor mit dem
Schwerpunkt
junge Erwachsene

Kontakt

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